Wechseljahre bei Frau und Mann

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Die Menopause (Wechseljahre, Klimakterium) ist eine Zeit des seelischen und körperlichen Wandels - ein Übergang in eine neue Lebensphase und stellt eine potentielle Krisenzeit, ähnlich der Pubertät, dar. Wie jede Neuorientierung schließt diese Phase neben Verunsicherung auch Wandlungs- und Entwicklungsmöglichkeiten mit ein. Die Hauptaufgabe, welche es in dieser Lebensphase zu meistern gilt: "Das Finden einer neuen Identität".

Das Auftreten und die Art der Wechselbeschwerden ist laut kulturvergleichenden Studien stark von der Bewertung der Lebensphase und gesellschaftlichen Mythen abhängig.
In Ländern, in denen sich der gesellschaftliche Status der Frau mit zunehmendem Alter erhöht (z. B. Indien, China, Japan), treten klimakterische Beschwerden seltener auf (Beispiel Hitzewallungen: Japan 19,6 %; Canada 64,6 %).
In der Türkei wurde festgestellt, dass die Beschwerden besonders häufig auftreten, da dortzulande die Menopause als Verlust der Reinigungsfähigkeit angesehen wird (Menstruation = Reinigungsprozess).

In den Wechseljahren der Frau erlischt die (zyklische) Funktion der Eierstöcke, welche die Hormone des weiblichen Körpers produzieren (Östrogene und Gestagene). Im Wesentlichen sind folgende drei Phasen zu beobachten:

Am Beginn steht die Prämenopause: Das ist die Zeit vor der letzten Monatsblutung, in welcher die Hormonproduktion zurückgeht.
Zwei bis vier Jahre nach der letzten Monatsblutung setzen dann die "typischen Beschwerden" ein - diese Phase wird Perimenopause genannt.
Letztendlich kommt es zur Postmenopause, die bis zum 65. Lebensjahr anhalten kann.
Die Ursache für Wechselbeschwerden beim Mann, deren Symptome ähnlich jener bei Frauen sind, liegt in der verminderten Produktion des Sexualhormons Testosteron. Die Produktion dieses Hormons nimmt bis zum 30. Lj. zu, verläuft dann etwa bis zum 40. Lj. konstant und verringert sich danach jährlich um 1 - 2 %.

Welche Veränderungen können während der Wechseljahre auftreten?

Mögliche "körperliche Beschwerden":

Blutungsunregelmäßigkeiten: Vor der Menopause treten oft verlängerte oder verkürzte Blutungen und häufig Zwischenblutungen auf.
Vegetatives Nervensystem: Hitzewallungen und Schweißausbrüche, welche häufig begleitet sind von Herzrasen, Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten sowie allgemein verminderter Leistungsfähigkeit.
Osteoporose: Östrogen schützt die Knochen vor dem Abbau und damit das ganze Skelett davor spröde zu werden. Das Sinken des Östrogenspiegels in der Menopause kann nun dazu führen, dass die Knochen, aufgrund des stattfindenden Knochensubstanzabbaues, brüchig werden.
Inkontinenz, bedingt durch Veränderungen am Beckenboden. Harndrang und Schmerzen beim Wasserlassen sind nicht selten.
Herz und Kreislauf: Östrogen kann die Gefäße durch Anstieg des HDL und Senkung des LDL vor Verkalkung schützen. Das kann auch die Ursache dafür sein, dass Frauen im gebärfähigen Alter nur sehr selten einen Herzinfarkt erleiden. Nach Abfall des Östrogenspiegels steigt das Infarktrisiko und gleicht sich an jenes der Männer an.
Trockene Schleimhäute in der Scheide: Die Scheidenhaut gibt weniger Feuchtigkeit ab, die Drüsen am Scheideneingang produzieren weniger Sekret (Probleme beim Geschlechtsverkehr bzw. sexuelle Unlust können die Folge davon sein).
Gewichtszunahme und Fettumverteilung: Die Gründe hiefür liegen einerseits am Sinken der körperlichen Aktivität und andererseits am verlangsamten Stoffwechsel (d. h. der Körper verbraucht bei gleicher Tätigkeit weniger Energie als früher). Weiters wird vermehrt Fettgewebe aufgebaut, welches weniger Energie verbrennt als die Muskulatur. Eine erhöhte Wasseransammlung im Gewebe kann ebenfalls Ursache für eine Gewichtszunahme sein.
Haut und Schleimhaut werden immer dünner (z. B. vermehrtes Auftreten von Zahnfleischbluten).
Die Behaarung im Gesicht, besonders am Kinn, wird aufgrund der Hormonverschiebung stärker.
Mögliche "psychische Beschwerden":

Stimmungsschwankungen, Lustlosigkeit, Ängste, Nervosität und Niedergeschlagenheit können bei Frauen wie Männern aufgrund der hormonellen Veränderungen und des nahenden Alters auftreten. In Kulturen, in denen die Menschen im Alter hohe Wertschätzung erfahren, treten seelische Probleme seltener auf.
Von einer niedergeschlagenen Stimmung ist immer eine Depression zu unterscheiden. Traurige Stimmung, Schlafstörungen, Antriebsarmut, innere Unruhe und Konzentrationsmangel können auch Anzeichen einer Depression sein. Bezüglich einer Diagnose wenden Sie sich bitte an eine(n) Facharzt/-ärztin.
Veränderungen der "sozialen Situation":

"Syndrom des leeren Nestes" - die Kinder sind zumeist groß und das Haus ist verlassen.
Das langersehnte Leben zu zweit geht oft nicht ganz reibungslos über die Bühne. Die gemeinsame Freizeit muss gestaltet werden. Die Erwartungen und Ansprüche an den Partner steigen.
Sterbefälle im Verwandten- und Bekanntenkreis müssen überwunden werden.
Allmählicher Rückzug aus dem Berufsleben.
Die Pension bringt zwar Sicherheit, kann aber bei den Betroffenen zum Verlust von Initiative und Aktivität führen.
Welche Untersuchungen sind notwendig?

Laboruntersuchungen: Bei Frauen, die Wechselbeschwerden ungemein früh erfahren (ab 40 Jahren) ist eine Hormonanalyse (Östrogen, Progesteron, FSH, LH) sinnvoll, um festzustellen ob es vielleicht andere Ursachen für die Beschwerden gibt. Bei Frauen über 50 ist eine Hormonanalyse zwecks Feststellung des Klimakteriums nicht notwendig, da diese nur eine bereits bekannte Tatsache bestätigen würde. Die Laboruntersuchung ist sehr wohl aber notwendig, wenn eine Hormontherapie in Betracht kommt.
Eine Hormonanalyse ist beim Mann dann erforderlich, wenn Symptome wie chronische Erschöpfung, seelische Verstimmung oder Schweißausbrüche auftreten. Beim Mann sollten Testosteron, Östrogen, DHEA und das Sexualhormon-bindende Globulin SHBG bestimmt werden.
Apparative Untersuchungen dienen vor allem der Früherkennung von
a) hormonsensiblen Krebsarten wie Brustkrebs durch Mammografie und regelmäßige Tastuntersuchungen bzw. Prostatakrebs mittels Ultraschalluntersuchung durch den Enddarm und/oder Blutuntersuchung und
b) Osteoporose durch Knochendichtemessung und Röntgenaufnahmen.
Tipps zur Besserung Ihrer Wechselbeschwerden

Sexualhormone haben nicht nur eine lebensnotwendige Bedeutung für die Fortpflanzung, sondern auch für den Stoffwechsel, das Herz-Kreislauf-System sowie das körperliche und seelische Wohlbefinden. Eine Hormontherapie kann in bestimmten Fällen zur Linderung der Beschwerden beitragen. Im Gespräch mit dem(r) Arzt/Ärztin sollte jede Frau, jeder Mann über die Auswirkungen des Hormonmangels sowie die Risiken einer Hormontherapie aufgeklärt werden. Nach individueller Risikoabschätzung kann vom Arzt/von der Ärztin eine maßgeschneiderte Therapie, mit regelmäßigen Kontrollen, eingeleitet werden:
·         Durch sachgerechte Östrogengabe können u. a. Hitzewallungen, Schlafstörungen, Schweißausbrüche, Müdigkeit, Reizbarkeit, Nervosität gemildert bzw. behoben werden. Gestagene können die Wirkung der Östrogene zum Teil verstärken oder abschwächen (Kombinationspräparate).

Östrogene fördern die Durchblutung, haben positive Wirkung auf Muskel und Gelenke sowie auf Haut und Schleimhäute. Weiters können Sie funktionelle Blasenstörungen günstig beeinflussen und den Knochenmasseverlust sowie die Gefäßverkalkung vermindern.

Eine längerfristige Hormoneinnahme kann mit einem erhöhten Brust-, Eierstock- oder Prostatakrebsrisiko einhergehen. Fragen dazu richten Sie bitte an Ihr(e) Arzt/Ärztin.

Beim Mann kann eine Androgen-Substitutionstherapie (Ersatztherapie) zum Einsatz kommen. Die Auswahl der Therapie sowie Hormondosierung erfordert vom(n) Arzt/Ärztin viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl.

Pflanzliche Mittel (z. B. Tees, Tinkturen, Aufgüsse) können helfen Wechselbeschwerden zu lindern; Da die Ausgangssubstanzen aber nicht immer harmlos sind, sollten Sie auf jeden Fall Ihre(n) Arzt/Ärztin bzw. Apotheker/In zu Rate ziehen.
Baldrian: bei Schlafstörungen und Reizbarkeit
Holunder: bei Nervosität, Schlafstörungen, reguliert den Hormonhaushalt
Hopfen: gegen Nervosität, Verspannungen, Schlaflosigkeit
Johanniskraut: als Stimmungsaufheller
Salbei: hemmt die Schweißbildung; soll auf Hitzewallungen günstig wirken
Taubensilberkerze: gegen Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Energielosigkeit, Nervosität
Kräutertee vom Hirtentäschchen oder eine Mischung aus Frauenmantel, Zinnkraut und Salbei helfen bei Hitzewallungen
Mönchspfeffer, Schlangenkraut, Türkischer Rhabarber und die große Brennnessel können einen allzu raschen Östrogenabfall verhindern.

Ernährung
Eine ausgewogene Ernährung liefert dem Körper ausreichend Nährstoffe:
Pro Tag ca. 400 g Obst und Gemüse, 200 g Vollkornbrot sowie abwechselnd eine Portion Vollwert-Reis oder -Nudeln, Kartoffeln bzw. Hülsenfrüchte liefern Ballststoffe für die Verdauung sowie lebensnotwendige Vitamine und Mineralstoffe.
Täglich an die Knochen denken: ½ lt. fettarme Milch oder ¼ l fettarmes Milchprodukt und 2 Scheiben magerer Käse. Meiden Sie Lebensmittel mit hohem Phosphatgehalt (koffeinhaltige Getränke, Wurst, Fertiggerichte), denn diese rauben dem Körper Calcium.
2 x pro Woche mageres Fleisch und 1 - 2 x pro Woche (See)Fisch (u. a. Lachs, Thunfisch, Scholle, Dorsch).

Wählen Sie fettarme Zubereitungsarten (garen, dünsten, dämpfen) und achten Sie auf versteckte Fette (v.a. in Süß- und Backwaren, Käse, Wurstprodukten, Fast Food).

Nehmen Sie ausreichend Flüssigkeit u. a. in Form von Kräutertees (s.o.), verdünnten 100%igen Fruchtsäften sowie Mineral- oder Trinkwasser zu sich - mindestens 2 bis 2,5 Liter pro Tag.

Phytoöstrogene sollten bei Wechselbeschwerden immer auf dem Speisezettel stehen! Phytoöstrogene (Lignane und Isoflavone) sind natürlich vorkommende pflanzliche Substanzen, deren Aufbau bzw. Funktion ähnlich dem Östrogen ist (siehe unten).
Folgende Wirkungsspektren werden, nach derzeitigem Stand der Wissenschaft, den Phytoöstogenen zugeschrieben (weitere Studien sind aber noch erforderlich!):

Minderung klimakterischer Beschwerden (Hitzewallungen, Schwitzen, Schlafstörungen)
Prävention der Osteoporose
Minderung des Brust-, Prostata und Dickdarmkrebsrisikos
Reduktion des Risikos für kradiovaskuläre Erkrankungen, indem sie Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin und Triglyceride senken.
In asiatischen Ländern, in denen Wechselbeschwerden wesentlich seltener auftreten, werden zwischen 25-45 mg Isoflavone pro Tag aufgenommen. In den westlichen Industrienationen ist der Tageskonsum auf weniger als 5 mg beschränkt.
Hohe Lignangehalte finden sich in Flachsamen, Leinsamen, Hülsenfrüchten (Sojabohne), Getreide-Vollkornflocken, Beeren, Gemüse. Isoflavone sind reichlich in Sojabohnen, Kichererbsen und Klee enthalten.

Bewegung
Körperliche Aktitität ist die beste Vorbeugung gegen Knochenschwund: Trainieren Sie Ihre Knochen und Muskulatur. Eine kräftige Muskulatur schützt den Knochenapparat vor Verletzungen, besonders vor dem gefährlichen Schenkelhalsbruch. Wichtig zur Osteoporosevorbeugung ist Bewegung, welche mit Anstrengung für die Oberschenkelmuskulatur verbunden ist (z. B. Bergwandern, Rad fahren, Kräftigungsgymnastik).
Achten Sie auf Ihre Pulsfrequenz (die Faustregel: 180 - Lebensalter dient lediglich als Orientierungshilfe - lassen Sie sich idealerweise sportmedizinisch beraten) und bewegen Sie sich mindestens 3 x pro Woche jeweils 30 Minuten.

Weitere Tipps:
Lernen Sie sich zu entspannen.
Durch Beckenbodentraining können Frauen den Schließmuskel der Harnblase trainieren und so Inkontinenz vorbeugen.
Guter Schlaf bedeutet gute Hormonregulation. Setzen Sie sich feste Schlaf- und Aufstehzeiten.
Wechselfußbäder helfen gegen Kreislaufbeschwerden, Schlaflosigkeit oder Bluthochdruck.
Diverse qualitativ hochwertige Nahrungsergänzungen sind in der Apotheke erhältlich.
Tanken Sie ausreichend Sonne und Sauerstoff. Durch das UV-Licht kann der Körper Vitamin D selbst herstellen, welches wiederum förderlich ist für die Knochensubstanz.
Freunden Sie sich mit Ihrem "neuen" Körper an und verwöhnen Sie sich selbst, nehmen Sie sich Zeit.
Schönheitspflege und Mode sind wichtig für Ihr Selbstbild, genauso wie Zärtlichkeiten mit dem Partner, Kontakt zu Freunden, eigenes Hobby etc.
Genießen Sie die neue Intimität mit dem Partner.
Versuchen Sie mit Ihrem Partner, guten Freunden oder Ihrem(r) Arzt/Ärztin über Ihre Probleme zu reden.
Meiden Sie vor allem:
Zigaretten: RaucherInnen kommen, aufgrund des stärkeren Östrogenabbaus in der Leber, früher in die Wechseljahre als NichtraucherInnen. Der Östrogenmangel fördert den Knochenabbau und somit das Osteoporoserisiko.
Alkohol: Alkoholkonsum kann das Brustkrebsrisiko erhöhen, den Verbrauch an Vitamin C steigern, die körperliche Abwehr schwächen, Hitzewallungen fördern und zu Schlafstörungen führen. Außerdem entzieht Alkohol dem Körper Calcium und fördert somit Knochenabbau. Alkohol sollte daher in Maßen konsumiert werden (Frauen max.1 Drink z. B. 1/8 l Wein und Männer max. 2 Drinks z. B. ¼ l Wein - jedoch nicht täglich).
Koffein kann Hitzewallungen verstärken oder gar auslösen. Weiters behindert es die Aufnahme von Calcium aus dem Darm.
Stress kann die Wechselbeschwerden verstärken.
 
Empfehlung der Ernährungswissenschaftlerin - "Kleine Speisen zum WECHSELn"

Misosuppe mit Tofu und Algen

Zutaten für 4 Personen:
4 kleine Packungen Misosuppe (im Handel erhältlich)
100 g Tofu
1 Algenblatt

Zubereitung:

Misosuppe (Fermentierte Sojabohnen-Paste) in eine Suppentasse geben.
Den Tofu würfelig schneiden und die Algenblätter in kleine Stücke reißen.
Tofu und Algenblätter ebenfalls in die Suppentasse geben und mit heißen Wasser aufgießen.
Pro Portion: 59 kcal; 5,9 g Eiweiß; 2,6 g Fett; 2,8 g Kohlenhydrate

Tomaten mit Mozzarella

Zutaten für 4 Personen:
3 große Tomaten
1 - 2 Pkg. Mozzarella
Salz und Pfeffer
Frische Kräuter oder TK-Kräuter

Zubereitung:

Tomaten und Mozzarella waschen und in Scheiben schneiden
Auf einem Teller abwechselnd Tomaten und Mozzarella anordnen, salzen, pfeffern, mit Kräutern bestreuen und mit einer Marinade aus 2 EL Olivenöl mit Balsamicoessig, nach Geschmack, übergießen.
Pro Portion: 196 kcal; 10,3 g Eiweiß; 15,1 g Fett; 3,6 g Kohlenhydrate

Tsatsiki

Zutaten für 4 Personen:
1 Gurke
Saft einer ½ Zitrone
250 ml fettarmes (1 %) Joghurt
Salz, (weißer) Pfeffer, etwas Süßstoff, TK-Kräuter
Serviervorschlag: Frische Kresse oder Dille, halbierte Cocktailtomaten

Zubereitung:

Die Gurke schälen und grob (in Streifen) reiben.
Zitronensaft, Joghurt, Salz, Pfeffer, TK-Kräuter und etwas Süßstoff untermengen.
Tsatsiki in Schüsseln füllen und mit frischer Kresse oder Dille sowie halbierten Cocktailtomaten garnieren.
TIPP: Sehr gut passt dazu ein Stück Fladenbrot oder Baguette.

Pro Portion: (ohne Brot): 24 kcal; 2,9 g Eiweiß; 0,9 g Fett; 0,9 g Kohlenhydrate

Nutzen Sie die Chance des Wechsels !