Unfallverhütung bei Kindern

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Generell ist die Entwicklung der Kinderunfälle von einem Rückgang der tödlichen und einem Anstieg der stationär behandelten Unfälle gekennzeichnet. Die meisten Unfälle ereignen sich in den Bereichen Heim, Freizeit und Sport, gefolgt von Straßenverkehr und Schule. Sturzunfälle, Schnittwunden, Vergiftungen, Ersticken, Ertrinken, thermische Verletzungen (Verbrühung, Verbrennung, Stromunfälle) und Unfälle mit Tieren sind als häufigste Unfallarten bei Kindern zu nennen.

Unfallpersönlichkeiten

Unfallhäufigkeit und Rahmenbedingungen des Unfallgeschehens hängen eng mit den Charaktereigenschaften der Kinder (0-7 Jahre) zusammen.

"Quirlige Draufgänger" sind stürmische, lebhafte und mutige Kinder, die oft einen Unfall provozieren, in dem sie ein zu großes Risiko eingehen. Diese Kinder wären körperlich und geistig in der Lage kritische Situationen ohne Schaden zu überstehen, verunfallen aber dann aus psychischen Gründen wie Übermut, Bewegungsdrang, hohe Geschwindigkeit etc.
Unfallverhütung: Machen Sie die Kinder auf die Gefahren des Alltages aufmerksam und zeigen Sie den/dem Kind(ern) wo die Grenzen des Risikos überschritten werden. Analysieren Sie gemeinsam "Beinahe-Unfälle" und durchstreifen Sie gedanklich Gefahrenstellen wie Spielplatz, Garten, Wohnung etc.
Bei Kindern, die nicht so aktiv sind, passieren Unfälle zumeist infolge körperlicher Umstände und zu geringer Übung. Hier ist es wichtig, durch ein Mehr an praktischer Übung ein Mehr an Selbstsicherheit zu erreichen und durch ein Mehr an Risikobereitschaft schwierige Situationen besser und unfallfrei meistern zu können. Während der oben genannte "Quirlige Draufgänger" im Risikoverhalten gebremst werden muss, gilt es für "Entschlossene Selbständige", "Ungeduldige Eigenbrötler" und "Verspielte Schmeichelkätzchen" , ihre Risikobereitschaft durchaus etwas anzuheben, sie jedoch gleichzeitig auch durch Üben am Spielplatz, im Garten etc. die nötige Selbstsicherheit erwerben zu lassen. Dadurch lernen Sie mit möglichen Gefahrenquellen entsprechend umzugehen.
Unfallgeschehen bei 0-3Jährigen

Da Kinder von 0 - 3 Jahren vor allem im Wohn- und Sanitärbereich (z. B. Wickeltisch) oder bei der Fortbewegung verunglücken und sich sehr häufig mit Gegenständen des täglichen Gebrauchs (z. B. Sessel, Tisch, Bett etc.) verletzen, sind v. a. die Erziehungsberechtigten aufgefordert, für die Vermeidung von Unfällen Sorge zu tragen. Um die für diese Altersgruppe typischen Verletzungen wie offene Wunden, Prellungen, Verbrennungen/Verbrühungen zu vermeiden, könnten u. a. folgende Maßnahmen gesetzt werden:

Beim Kauf des Gitterbettes ist darauf zu achten, dass der Abstand zwischen den Stäben nicht mehr als 7 cm beträgt. Weiters sollte das Herstellungsmaterial unbehandelt und die Matratze elastisch und zugleich fest sein. Auch kindergerechtes Bettzeug ist nötig.
Lassen Sie Ihr Kind nie unbeaufsichtigt auf dem Wickeltisch (oder dem Bett) liegen.
Im Bad sollten Kosmetika, Zahnpasta, Rasierklingen, Manikürsets, Nagellackentferner etc. für Kinder nicht erreichbar sein. Kaufen Sie rutschfeste Einlagen für die Badewanne und Auflagen für Fliesenböden. Warmwassermischbatterien helfen Verbrennungen zu vermeiden.
Kinderschutzsteckdosen, Herdgitter, Eckschutz für Möbel, Blenden für Kabel, Rauchmelder etc. sollten installiert werden.
Bringen Sie an Fenstern, Schubladen und Backrohrtür Sperren an.
Durch spezielle Türstopper kann vermieden werden, dass sich Ihr Kind die Finger einklemmt.
Um zu verhindern, dass sich das Kind in einem Zimmer einsperrt, sollten sämtliche Schlüssel von den Schlössern abgezogen werden.
Bücherregale und andere Möbel, die umkippen könnten, sollten an der Wand fixiert werden.
Achten Sie auf gute Standfestigkeit des Hochstuhles (Rollen sind nicht zu empfehlen) und sorgen Sie dafür, dass das Kind im Hochstuhl nicht aufsteht oder herunterrutschen kann.
Rutschhemmende Socken können Sturzverletzungen vermeiden helfen.
Plastiksäcke und -taschen, Nüsse, Perlen, Münzen etc. stets für Kinder unzugänglich aufbewahren - es besteht Erstickungsgefahr!
Medikamente, Putzmittel, alkoholische Getränke und sonstige Chemikalien sollten für Kinder unerreichbar sein - gefährliche Substanzen stets verschlossen in Originalverpackungen aufbewahren!
Zigaretten, Streichhölzer, Feuerzeug, Öl- oder Duftlampen sollten für Kinder nicht erreichbar sein.
Elektrische Geräte, die eine Verletzungsgefahr in sich bergen (z. B. Wasserkocher, Brotschneidemaschine) niemals angeschlossen und in Reichweite von Kindern aufstellen.
Giftige Pflanzen sowie Dünge- und Pflanzenschutzmittel sind aus dem Wohn- und Gartenbereich zu entfernen.
Niedrige Brüstungen am Balkon sind mit einem Zusatzgitter zu versehen. Lassen Sie keine Hocker oder Stühle am Balkon stehen.
Versperren Sie Geräteschuppen und Hobbyraum, sichern Sie Pool oder Gartenteich, bedecken Sie die Regentonne und lassen Sie keine Gartengeräte frei herumliegen.
Sichern Sie das Kind im Auto mit altersgerechten und geprüften Liegeschalen bzw. Kindersitzen.
Unfallgeschehen bei 4-7Jährigen

In dieser Altersgruppe ereignen sich die Unfälle nicht mehr primär im Wohnbereich, sondern auf dem Spiel- und Sportplatz. Die häufigsten Verletzungen sind Frakturen und sonstige Verletzungen an Händen und Beinen (z. B. Prellungen, Schürfwunden).
Die Kinder verunglücken zumeist infolge falscher Risikoeinschätzung in erster Linie durch Sturz oder durch den Zusammenprall mit anderen Personen. Erziehungsberechtigte müssen die Kinder im Erkennen von Gefahrenquellen unterstützen und Sie in der Risikoabschätzung schulen. Schutzmaßnahmen wären u. a.:

Das Kind muss mit der entsprechenden Ausrüstung ausgestattet sein:
- der richtige Schuh für die jeweilige Sportart
- Handgelenks-, Ellenbogen- und Knieschützer - wo sinnvoll
- Helm v.a. beim Rad fahren und Inline-Skaten
Begleiten Sie Ihr Kind auf den Spielplatz und machen sie es auf Gefahren aufmerksam. Erziehungsberechtigte sollten den Spielplatz kritisch betrachten und auf folgende Punkte achten:
- Besteht z. B. der Boden unter den Spielgeräten aus einem dämpfenden Material?
- Ist der Fallbereich unter Klettergeräten frei von Kanten, Vorsprüngen etc.?
- Ist der Spielplatz klar von der Straße abgegrenzt?
- Sind die Geräte entsprechend verankert und gesichert?
- Sicherung gegen Hineinlaufen in bewegliche Spielgeräte (Schaukel, Drehkarussell) gegeben?
Kinderfahrzeuge wie Dreirad, Fahrrad etc. sollen dem Alter des Kindes sowie der Sicherheitsnorm entsprechen.
Kinder sind darauf aufmerksam zu machen, dass sie niemals in unbekannte Gewässer köpfeln oder hineinspringen dürfen.
Vermitteln Sie Ihrem Kind, dass es das Recht/die Pflicht hat, nein zu sagen, wenn es zu Handlungen (z. B. Mutproben) gezwungen wird, die ihm nicht gefallen.
Schwimmhilfen sollten zwei Luftkammern aufweisen - ungeübte Schwimmer nie ohne Schwimmhilfe, Kinder nie erhitzt ins kalte Wasser gehen lassen.
Nach Aufenthalt in Wald und Wiese Kinder auf Zecken untersuchen (Schutz bieten: Impfung, Kleidung und Mittel gegen Insektenabwehr).
Beim Basteln ist z. B. auf lösungsmittelfreie Kleber, ungiftige Stifte und Knetmasse sowie auf die Verwendung einer Kinderschere zu achten.
Unfallgeschehen bei Schulkindern

Kommt Ihr Kind in die Schule, ist es zusätzlich den Gefahrenquellen im Straßenverkehr und im Schulbereich ausgesetzt. Sie sollen Ihr Kind auf den Schulweg vorbereiten, indem Sie schon vor Schuleintritt mehrmals den Weg gemeinsam gehen und mögliche Gefahrenquellen besprechen.
Bei vielen Kindern gerät die anfängliche Vorsicht mit der Zeit in Vergessenheit und weicht einer riskanten Sorglosigkeit. Besonders wenn mehrere Kinder gemeinsam unterwegs sind und am Schulweg plaudern, blödeln und spielen, vergessen Sie alles um sich herum.

Beobachten Sie wie sich Ihr Kind auf dem Schulweg verhält
- Bleibt es am Gehsteig stehen und schaut es nach links, rechts und noch einmal nach links bevor die Straße überquert wird?
- Hält das Kind an der Sichtlinie wenn es zwischen geparkten Autos durchgehen möchte?
- Geht es den sichersten Weg über die Fahrbahn (z. B. Zebrastreifen; gerade und nicht schräg)?
- Wie verhält sich Ihr Kind wenn es abgelenkt wird?
Achten Sie darauf, dass Ihr Kind ausgeschlafen und rechtzeitig in die Schule geht.
Vor allem in den dunklen Herbst- und Wintermonaten ist es empfehlenswert "helle" Kleidung zu tragen oder Jacken, Hosen etc. mit reflektierenden Streifen zu versehen.
Im Auto ist ein, dem Alter und Gewicht des Kindes entsprechender Sitz zu montieren (nehmen Sie das Kind beim Kauf mit). Das Kind sollte immer auf der Gehsteigseite ein- und aussteigen. Hinweis: Überprüfen Sie regelmäßig den Verbandskasten im Auto auf seine Vollständigkeit und das Haltbarkeitsdatum!
Beim Ein- und Aussteigen von Bussen und Bahnen warten bis freie Sicht gegeben ist.
Schnelle Hilfe bei kleineren Unfällen

Kleine Schürf- und Schnittwunden sollten zunächst mit sauberem Leitungs- oder Mineralwasser gereinigt werden. Danach folgt die Desinfektion mit jodfreiem und nicht schmerzenden Desinfektionsmittel. So nötig mit Verbandstoffen, die nicht verkleben - oft tut´s auch ein buntes Pflaster - versorgen.
Blutungen können z. B. mittels eines Erste-Hilfe-Sprays und starke Blutungen durch einen Druckverband zunächst zum Stillstand gebracht werden. Platzwunden, große und tiefe Wunden sowie Wunden im Gesichtsbereich müssen ärztlich versorgt werden.
Kleine Fremdkörper (Steinchen, Schiefer etc.) können mit einer desinfizierten Pinzette oder Nadel entfernt werden - anschließend Wunde desinfizieren und je nach Größe verbinden. Große Fremdkörper dürfen keinesfalls aus der Wunde entfernt werden - die Versorgung muss im Krankenhaus erfolgen.
Ausgeschlagene Zähne können wieder eingesetzt werden, sofern die Zahnwurzel noch intakt ist (sie muss während des umgehenden Transportes zum Zahnarzt feucht gehalten werden - z. B. durch Einlegen in Milch oder Speziallösung aus Ihrer Apotheke.
Bei Nasenbluten den Kopf nach vorne richten, sodass das Blut gut abfließen kann und der Nacken z. B. mit einer kalten Gelkompresse oder einem feuchten Tuch gekühlt werden.
Bei Vergiftungen wenden Sie sich bitte sofort an die Vergiftungszentrale Tel. 4064343-0.
Bei Verbrennungen jeglicher Art die Wunde sofort 5 - 10 Minuten unter fließendes, kaltes Wasser halten. Bei größeren Flächen umgehend ärztliche Hilfe anfordern oder das nächstgelegene Krankenhaus aufsuchen.
Überprüfen Sie regelmäßig den Impfkalender Ihres Kindes (z. B. Tetanus)!

Bei der Bestückung Ihrer (Kinder)Hausapotheke (auch mit homöopathischen Mitteln) steht Ihnen Ihr(e) Arzt/Ärztin bzw. Apotheker/In gerne mit Rat und Tat zur Seite.