Rauchentwöhnung

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Rauchen & Tabakentwöhnung
An den Folgen des Tabakkonsums sterben lt. WHO stündlich 560 Menschen, das sind 13.400 pro Tag oder 4,9 Mio. pro Jahr. Die Zahl derer, die an den Folgen ihres Tabakkonsums sterben, wird sich ohne drastische Gegenmaßnahmen bis zum Jahr 2020 auf 8,4 Mio. pro Jahr erhöhen. Von den heute lebenden jungen RaucherInnen wird jede(r) Zweite an tabakassoziierten Krankheiten sterben.
Tabakrauchen erhöht als unabhängiger, wichtiger Risikofaktor die Gefahr an koronarer Herzkrankheit zu erkranken, einen akuten Myokardinfarkt oder einen plötzlichen Herztod zu erleiden.

Schadstoffbelastung durch den Zigarettenrauch

Tabakrauch ist die wichtigste einzelne Noxe für die Gesundheit. Er wird in der Glutzone (ca. 900°C) durch die thermische Zersetzung von Tabak, Zusatzstoffen und Papier gebildet und enthält mehrere tausend chemische Verbindungen (z. B. Benzpyren, Nitrosamine, Blausäure, Stickoxide, Schwefelwasserstoff, Ammoniak, Formaldehyd, Schwermetalle wie Cadmium und Arsen) von denen mindestens 40 krebserregend sind.

Bei den Rauchinhaltsstoffen sind vor allem Nikotin, Teer und Kohlenmonoxid von besonderer Bedeutung:
Tabak-Teer legt mit der Zeit den Selbstreinigungsmechanismus der Luftröhre und der Bronchien lahm. Diverse Schmutzpartikel können sich dann ungehindert auf den Schleimhäuten ablagern und u.a. einen idealen Nährboden für Entzündungen bilden (z. B. Bronchitis).

Nikotin - stresst und entspannt zugleich! Nikotin ist eine der am schnellsten süchtig machenden Substanzen und beeinflusst durch seine pharmakologische Wirkung viele Organsysteme, vor allem aber die Blutgefäße (siehe Gesundheitsschäden). Als zentralnervöse Wirkungen des Nikotins sind z. B. zu nennen:

Verbesserung der Konzentration, Aufmerksamkeit und Gedächtnisleistung
Leichterer Umgang mit negativen Gefühlen
Abnahme von Aggressivität und Ängstlichkeit
Vermeintlich bessere Stressbewältigung
Bessere Schmerztoleranz
Hungerstillende Wirkung.
Kohlenmonoxid entsteht durch die unvollständige Verbrennung des Tabaks. Es blockiert den in den roten Blutkörperchen enthaltenen Blutfarbstoff (Hämoglobin), welcher den Sauerstoff von der Lunge zu allen Organen transportiert. Das bedeutet, dass vermehrt Kohlenmonoxid zu den Zellen transportiert wird und es zu einer Sauerstoffunterversorgung kommt.

Gesundheitsschäden durch das Rauchen

Bedingt durch die kontinuierliche Schadstoffbelastung und den chronischen Sauerstoffmangel kann es u. a. zu nachfolgenden Erkrankungen/Symptomen kommen:

Beeinträchtigung der körperlichen Leistungsfähigkeit
Unspezifische Herz-/Kreislauf-Funktionsstörungen (Herzjagen, Schwindel)
Herz- und Gefäßschäden (z. B. Raucherbein, Herzinfarkt, Schlaganfall)
Atemwegserkrankungen (chronische Bronchitis, "Raucher"husten)
Krebserkrankungen (v. a. Lunge, Bronchien, Mundhöhle, Speiseröhre, Kehlkopf, Bauchspeicheldrüse, Leukämie, Niere, Harnblase und Gebärmutterhals)
Magen- und Zwöffingerdarmgeschwüre
Steigende Infektanfälligkeit und Wundheilungsstörungen
Geruchs- und Geschmackseinbußen durch Schleimhautveränderungen
Kopf- und Rückenschmerzen
Reizungen der Augenbindehaut sowie Schädigung der Netzhaut und des Sehnervs
Beeinträchtigung der männlichen Potenz und Störungen im weiblichen Hormonhaushalt (Zyklusstörungen)
Frauen, die rauchen und orale Kontrazeptiva einnehmen, haben ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Schlaganfall, Herzinfarkt, Thrombose, Embolie)
Raucherinnen erreichen durchschnittlich 2-3 Jahre früher die Wechseljahre
Frühzeitige Faltenbildung; fahl-gelbliche Haut durch verminderte Durchblutung
Das Gesundheitsrisiko durch Pfeifen/Zigarren entspricht etwa jenem von mäßigen Zigarettenrauchern (weniger als 19 Zigaretten/Tag). Bei Zigarren- oder Pfeifenrauchern treten deutlich mehr Krebserkrankungen der Mundhöhle und des Kehlkopfes auf.
Passivraucher sind sowohl dem Neben- als auch dem Hauptstromrauch ausgesetzt. Da die Verbrennung beim Nebenstromrauch nur unvollständig ist, enthält dieser die meisten verunreinigten Stoffe.

Bei Nichtrauchern kann es in Folge des Passivrauchens u. a. zu herabgesetzter Widerstandskraft und verringerter Lungenfunktion, Irritationen der Augen, Atemwege und Schleimhäute, Kopfschmerzen, Husten, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronischer Bronchitis und zu einem erhöhten Lungenkrebsrisiko kommen. Bei Asthmatikern und Allergikern führt der Zigarettenrauch häufig zu Atemnot und Asthmaanfällen.

Passiv rauchende Kinder sind besonders gefährdet eine herabgesetzte Lungenfunktion, Atemwegserkrankungen (Asthma, asthmatische Bronchitis), Allergien und chronische Mittelohrentzündung etc. zu entwickeln.

Schwangere, die rauchen, haben ein größeres Risiko einer Fehl- oder Frühgeburt. Das Wachstum des Feten und in weiterer Folge das Geburtsgewicht des Neugeborenen ist oft gemindert (ca. 200 – 250g). Der Plötzliche Kindstod kommt bei gesunden Kindern rauchender Mütter 4x häufiger vor. Die Lungenfunktion der Kleinkinder ist deutlich vermindert und Erkrankungen der Atemwege kommen häufiger vor.

Als weitere mögliche Folgeschäden bei den betroffenen Kindern sind u. a. Verhaltensaufälligkeiten sowie Konzentrations- und Lernstörungen zu nennen.

Die RaucherInnen werden immer jünger

Leider greifen immer mehr Kinder und Jugendliche zur Zigarette. Der Konsum von Alkohol und Tabak gehört in der "westlichen zivilisierten Gesellschaft" zum Alltag. Die Öffentlichkeit und die Werbung verharmlosen das Rauchen und verherrlichen es oftmals auch.
Kinder begegnen in drei zentralen Lebensbereichen dem Rauchen: in der Familie, im Freundeskreis und in der Schule. Bis zum ca. 12. Lebensjahr orientieren sich Kinder am Verhalten Ihrer Eltern, danach gewinnen Gleichaltrige immer mehr an Bedeutung. In der Pubertät treffen die meisten Jugendlichen die Entscheidung pro oder contra rauchen.
Kinder rauchender Eltern finden leichter Zugang zu Zigaretten, probieren das Rauchen häufiger aus und neigen eher dazu selbst Raucher zu werden. Aus sozialen Gründen wie z. B. Gruppenzwang, Schlankheitsideal, die Angst als Außenseiter betrachtet zu werden sowie Einsamkeit, Probleme mit der Alltagsgestaltung oder mit Eltern/Freunden, Überforderung, schulische Probleme u. v. m. führt bei den Jugendlichen verstärkt zum Griff nach der Zigarette, obwohl ihnen diese anfänglich gar nicht schmeckt. Mädchen/Frauen nutzen das Rauchen verstärkt zur Gewichtsregulierung und zum Stressabbau.

Wie abhängig sind Sie?

Für die Entwicklung der Abhängigkeit wird die psychoaktive Wirkung von Nikotin im Zentralnervensystem verantwortlich gemacht. Der Grad der Abhängigkeit, welcher auch für die Art der Entwöhnungstherapie entscheidend ist, kann durch den Fagerström Test für Nikotinabhängigkeit bestimmt werden:

1. Wann nach dem Aufwachen rauchen Sie Ihre erste Zigarette?
innerhalb von 5 Minuten (3)
6-30 Minuten (2)
31-60 Minuten (1)
nach 60 Minuten (0)

2. Fällt es Ihnen schwer, an Orten, an denen Rauchverbot besteht, nicht zu rauchen?
Ja (1)
Nein (0)

3. Auf welche Zigarette würden Sie nicht verzichten wollen?
die erste am Morgen (1)
andere (2)

4. Wie viele Zigaretten rauchen Sie im allgemeinen pro Tag?
bis 10 (0)
11-20 (1)
21-30 (2)
31 und mehr (3)

5. Rauchen Sie am Morgen im allgemeinen mehr als während des Tages?
Ja (1)
Nein (0)

6. Kommt es vor, dass Sie rauchen, obwohl Sie so krank sind, dass Sie den Tag überwiegend im Bett verbringen müssen?
Ja (1)
Nein (0)

FTND-Score: zutreffende Punktwerte addieren (Auswertung: siehe letzte Seite)
Quelle: www.lzg-bayern.de/: Rauchen

Tabakentwöhnung

Fangen Sie jetzt mit der Entwöhnung an! Ihre Abstinenz wird belohnt!: Wer mit dem Rauchen aufhört wird bald merken, dass sich die körperliche Leistungsfähigkeit, das Geschmacks- und Geruchsempfinden, der Raucherhusten, das Hautbild und die Gelbfärbung der Finger und Zähne verbessert. Auch der Mundgeruch verschwindet, wodurch Ihre Attraktivität steigt! Als Ex-RaucherIn vermindern Sie aber vor allem das Risiko vorzeitig an tabakassoziierten Erkrankungen wie Herzinfarkt und Lungenkrebs zu sterben.

Zur effektiven Tabakentwöhnung gehören vor allem: der Wille aufzuhören, individuelle Beratung, Motivation, Verhaltenstherapie und eventuell medikamentöse Unterstützung.

Die Beratung kann in Gruppen oder in Einzeltherapie erfolgen. Der/die RaucherIn muss sein/ihr Rauchverhalten analysieren und lernen, Gewohnheiten abzulegen und der Versuchung zu widerstehen.

Als Entzugserscheinungen sind vor allem Nervosität, Reizbarkeit, depressiver Stimmung, Aggressivität, Angst, Konzentrationsstörungen, Unruhe und Schlafstörungen zu nennen. Diese Symptome verschwinden zumeist nach 3-4 Wochen wieder. Die psychische Abhängigkeit (Koppelung des Tabakverlangens an bestimmte Situationen wie z. B. Rauchen bei Stress) bleibt jedoch in den meisten Fällen über einen längeren Zeitraum bestehen.

Raucheranamnese: Dauer des Rauchens, Entwöhnungsversuche, Rauchverhalten wie z. B. Differenzierung zw. Spiegel- oder Spitzenraucher (Spiegelraucher rauchen über den Tag verteilt gleich viel. Spitzenraucher können über mehrere Stunden abstinent bleiben, rauchen dann, wenn sie zur Zigarette greifen, aber sehr intensiv).

Diagnostik = Erhebung des Ausmaßes der Abhängigkeit (Fagerström-Test, siehe oben) und die Kohlenmonoxidmessung in der Aus-Atemluft mittels Smokerlyzer. Der Kohlenmonoxid-Wert (in ppm) steigt mit der Anzahl der pro Tag gerauchten Zigaretten.

Therapie: In der Verhaltenstherapie werden Stress- und Bewältigungsstrategien sowie der Umgang mit Entzugserscheinungen und das Erlernen von Maßnahmen zur Rückfallprophylaxe vermittelt. Risikosituationen werden besprochen und trainiert, damit es zu einer Entkoppelung von bestimmten Situationen und Rauchen (z. B. Kaffee + Zigarette) kommen kann.
Neben beispielsweise Akupunktur und Hypnose findet vor allem die Nikotinersatztherapie Anwendung. Sie ist eine alternative Methode zur Aufnahme von Nikotin ohne zu rauchen. Bei den "Hilfsmitteln" (s.u.) setzt die Nikotinwirkung zumeist wesentlich später als beim Rauchen ein und die Nikotinkonzentrationen sind geringer. Die Dosis des Nikotinersatzpräparates wird, den Entzugssymptomen entsprechend, über einen gewissen Zeitraum stufenweise reduziert (fragen Sie dazu Ihre(n) Arzt/Ärztin oder ApothekerIn):

Pflaster: Die Wirkung tritt nach 2-4 Stunden ein. Über einen Zeitraum von 16-24 Stunden wird eine fixe Nikotindosis abgegeben. Nach 16-24 Stunden muss das Pflaster gewechselt werden, wobei das neue an einer anderen Stelle platziert werden soll.
Kaugummi: Nach ca. 20 Minuten tritt die Wirkung ein. Der Kaugummi soll langsam gekaut werden, da er die Mundschleimhaut reizen kann – zwischendurch den Kaugummi immer wieder in der Backentasche "parken".
Inhalator: Wirkungseintritt nach ca. 20 Minuten. Durch das Ansaugen der Luft wird Nikotin aus einer Kunststoffschicht freigesetzt. Nikotin gelangt über die Mundschleimhaut in den Blutkreislauf.
Nikotinnasenspray besteht aus einer wässrigen Lösung mit einer Konzentration von 10mg/ml. Das Nikotin wird rasch aufgenommen, was die Abhängigkeitsgefahr erhöht.
Spezielle Medikamente helfen bei der Tabakentwöhung. Fragen Sie dazu Ihre/n Arzt/Ärztin oder ApothekerIn.
Zusätzliche Entwöhnungshilfen

Denken Sie positiv: Rufen Sie sich in Erinnerung, dass es in Ihrer Hand liegt, mit dem Rauchen für immer aufzuhören.
Aktivieren Sie Ihre Vorstellungskraft: Malen Sie sich aus, wie Ihre Lunge mit jeder Minute die vergeht, aufatmet.
Lehnen Sie sich zurück, schließen Sie die Augen und atmen Sie ein paar Mal tief durch.
Holen Sie sich Unterstützung und Ermutigung bei Verwandten/Bekannten/KollegInnen.
Erkundigen Sie sich nach Raucherentwöhnungs-Spezialisten oder -Instituten.
Entfernen Sie Tabakwaren und Raucherutensilien aus Ihrem Gesichtsfeld.
Verändern Sie Ihre täglichen Gewohnheiten - trinken Sie z. B. statt dem Kaffee einen Tee.
Halten Sie sich möglichst wenig allein zu Hause auf.
Putzen Sie sich nach dem Essen die Zähne und genießen Sie den frischen Atem.
Schlürfen Sie langsam ein Glas Wasser mit Eiswürfeln. Wenn es leer ist, lassen Sie die Eiswürfel im Mund zergehen.
Meiden Sie besonders in der Anfangsphase die Gesellschaft von Rauchern.
Unternehmen Sie viel - vor allem Aktivitäten bei denen man nicht rauchen kann.
Viele Ex-Raucher nehmen, wenn Sie ihr Essverhalten nicht umstellen und sich zuwenig bewegen, durchschnittlich um 3 kg an Gewicht zu (Grund: Nikotin hat den Stoffwechsel angeregt und so zu einem erhöhten Energiegebrauch (ca. 5%), im Verhältnis zum Nichtraucher, geführt. Durch das Rauchen werden auch Appetit und Hungergefühl gehemmt). Eine strenge Kontrolle des Essverhaltens v.a. der Fett- und Zuckerzufuhr (ev. mittels Ess-Tagebuch) sowie 2-3x/Woche mindestens 30 Minuten Bewegung können eine Gewichtszunahme verhindern bzw. in Grenzen halten. Zusätzlich ist für eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr von mind. 2 – 2,5 Liter u.a. Mineral- oder Trinkwasser, ungesüßten Tees, zu sorgen. Lesen Sie dazu unser Kundenmerkblatt "Schlank durch Ernährungsumstellung".
Nehmen Sie etwas anderes als eine Zigarette in den Mund - kauen Sie zuckerfreien Kaugummi oder beißen Sie an einem Rohkost-Stängel (Karotte oder Sellerie).
Belohnen Sie sich mit einer Fitnesskarte, einer CD, einem Kino- oder Theaterbesuch.
Wenn das Verlangen groß ist, versuchen Sie bewusst etwas anderes zu tun oder nehmen Sie ein entspannendes Bad bzw. eine Dusche.
Beschäftigen Sie Ihre Hände z. B. mit Kreuzworträtsel lösen oder Bleistift spielen.
Wir wünschen viel Erfolg bei der Tabakentwöhnung!

Auswertung Fagerström-Test:
0-2 Punkte sehr geringe Abhängigkeit 6-7 Punkte starke Abhängigkeit
3-4 Punkte geringe Abhängigkeit 8-10 Punkte sehr starke Abhängigkeit
5 Punkte mittlere Abhängigkeit