Grippe & Vogelgrippe

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Niemand kann sagen, wann es zu einer Pandemie mit einem neuen Grippe-Erreger kommen wird. ExpertInnen warnen schon länger davor, vor allem seit in Asien ein aggressives Vogelgrippe-Virus vom Typ H5N1 aufgetaucht ist. Gewarnt wird allerdings nicht vor diesem Virus, sondern vor der Gefahr, dass aus ihm ein neuer Erreger entstehen könnte, der von Mensch zu Mensch übertragbar ist.
Wie heftig die Auswirkungen einer Vogelgrippe-Pandemie wären, ist schwer abschätzbar. Zumal sich seit der Spanischen Grippe 1918 (s.u.) viel getan hat, vor allem im Bereich der Medizin: Es gibt flächendeckende medizinische Versorgung, Virustatika, welche die Virusvermehrung hemmen (z.B. Neuramidase-Hemmer) und Antibiotika zur Bekämpfung von bakteriellen Zweitinfektionen. Die Überwachung und die medizinische Diagnostik ist besser denn je. Zudem sind wir  heute wesentlich besser ernährt als zu jener Zeit.

Historische Pandemien (= länderübergreifende oder weltweite Verbreitung einer Krankheit) laut Weltgesundheitsorganisation (WHO):

1347 – 1352: Pest (Bakterium), Ausbreitung über ganz Europa, geschätzte 25 Millionen Tote (1/3 der damaligen europäischen Bevölkerung)
1896 – 1945: Pest (Bakterium), weltweite Ausbreitung, rund 12 Millionen Tote
1918 – 1920: Spanische Grippe (Virus), weltweite Ausbreitung, 500 Millionen Kranke, 20-50 Millionen Tote
1957: Asiatische Grippe (Virus), 1 Million Tote
1968: Hongkong-Grippe (Virus), 700.000 Tote
seit ca. 1980 haben sich weltweit mehr als 33,2 Mio. Menschen mit dem HI-Virus infiziert; alleine im Jahre 2007 sind 2,1 Millionen Menschen an AIDS gestorben (UNAIDS, 2007 zitiert auf www.aids.at).
Was ist der Unterschied zwischen einer bakteriellen und einer viralen Infektion?
Viren sind kleinste Krankheitserreger. Sie bestehen nur aus Erbmaterial, das von einer schützenden Eiweißhülle umgeben ist. Sie besitzen keinen eigenen Stoffwechsel und sind deshalb auch nicht in der Lage, sich selbst zu vermehren. Dazu brauchen sie die Zelle eines Lebewesens, des sogenannten Wirtes. Virustatika werden zur Behandlung viraler Erkrankungen eingesetzt, Antibiotika sind gegen Viren nicht wirksam!
Bakterien sind Mikroorganismen, die aus einer einzigen Zelle bestehen. Im Gegensatz zu Viren können sich Bakterien selbst vermehren. Antibiotika werden zur Behandlung bakterieller Erkrankungen eingesetzt, helfen aber nicht gegen virale Erkrankungen.
Viren und Bakterien können direkt (durch Hände schütteln, WC-Sitz, Türklinken etc.), über die Luft (z. B. Niesen) oder durch Blut übertragen werden.

Symptome einer „klassischen, viralen Grippe“ (Influenza)
Plötzlich auftretendes hohes Fieber bis 40°C, Schüttelfrost, Glieder- und Brustschmerzen, extreme Mattigkeit, heftiger Kopfschmerz, trockener Husten.
Therapie bis 48h nach Auftreten erster Symptome: Einnahme von verordneten Neuramidasehemmern. Nach Bedarf u. a. fiebersenkende Arzneimittel, Medikamente gegen Hals-, Kopf- und Gliederschmerzen sowie gegen Husten.

Was ist die Vogelgrippe?
Bei der Vogelgrippe handelt es sich um eine Tierseuche, die vor allem Hühner, Truthähne, Gänse, Enten und wildlebende Wasservögel befällt. Die derzeit grassierende Vogelgrippe wird durch das Influenza-A-Virus, Serotyp H5N1 (steht für Hämagglutinin-Faktor H5, Neuramidase-Faktor N1 – das sind wichtige Identifikationsmerkmale der Influenza-Viren) hervorgerufen.
Die Hühner stecken sich innerhalb von 3 bis 14 Tagen gegenseitig mit dem Virus an. Symptome: Kamm und Kehllappen werden schwarz, die Hühner haben hohes Fieber und Durchfall, fressen kaum und leiden unter Atemnot.

Wie kann man sich mit dem Vogelgrippevirus anstecken?
In Ländern, in denen das Vogelgrippe-Virus nachgewiesen wurde, kann sich auch der Mensch anstecken. Hiefür ist jedoch ein enger, direkter Kontakt mit erkranktem Geflügel, welches zudem große Mengen an Viren über Kot oder Sekret ausscheiden muss, sowie ein geschwächtes Immunsystem Voraussetzung. Eine hohe Außentemperatur und hohe Luftfeuchtigkeit (= Klimaverhältnisse wie in Südostasien) begünstigen die Virusvermehrung.
Mögliche Ansteckungswege: Einatmen der Viren beim Aufwirbeln des Geflügelkots (z. B. beim Stallausmisten, auf Geflügelmärkten), Kontakt mit Eiern, deren Schale mit kontaminiertem Kot verunreinigt ist sowie beim Schlachten.

Vogelgrippe – geringe Infektionsgefahr durch Lebensmittel
Die Viren können in Eier und Muskelfleisch gelangen. Erkrankte Tiere sterben aber in der Regel so rasch, dass die Ansteckungsgefahr als äußerst gering eingestuft werden kann, zudem sind Influenzaviren sehr hitzeempfindlich. Gekochte oder anderwertig über 70°C erhitzte Lebensmittel gelten als frei von infizierenden Viren. Einfrieren inaktiviert das Virus jedoch nicht.
Zubereitungsregeln von Geflügelfleisch und Eiern im Pandemiefall (diese entsprechen im Wesentlichen den bekannten Vorsichtsmaßnahmen zur Verhinderung einer Salmonelleninfektion):

Keine Gerichte mit rohen oder weich gekochten Eiern zubereiten (z. B. Tiramisu).
Keine weich- sondern nur hartgekochte Eier verzehren (somit auch keine Spiegeleier!).
Das rohe Geflügelfleisch vor dem Braten, Grillen etc. auf einer gesonderten Arbeitsplatte vorbreiten. Danach die Hände, das Messer und die Arbeitsfläche gründlich mit heißem Wasser und Spülmittel reinigen (Reinigungsschwamm o.ä. anschließend entsorgen).
Bei der Zubereitung muss die Temperatur im Fleisch mindestens 70°C betragen.

Übertragung von Mensch zu Mensch?
Die Vogelgrippe ist eine Zoonose, also eine Krankheit, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden kann. Um für den Menschen gefährlich zu werden, muss das tierische Vogelgrippe-Virus zu einem Menschen-Grippe-Virus mutieren. Das wäre beispielweise dann möglich, wenn sich ein Mensch mit dem klassischen Grippe-Virus und dem Vogelgrippe-Virus gleichzeitig infiziert und diese sich im Körper verbinden. Betroffene würden dann das Virus über die Luft (z. B. Niesen) leicht weiter übertragen. Eine Pandemie (s.o.) wäre folglich möglich und könnte etliche Millionen Todesopfer fordern.

Symptome der Vogelgrippe beim Menschen
Durchschnittlich 2-5 Tage nach der Ansteckung kommt es zu hohem Fieber, Kopf-, Hals- und Gliederschmerzen sowie trockenem Husten. Im weiteren Verlauf kann sich auch eine Lungenentzündung entwickeln. Darüber hinaus werden Durchfall, Übelkeit und Bauchschmerzen beobachtet. In schweren Fällen führt die Erkrankung zum Lungenversagen.
Hauptverbreitungsgebiete: Indonesien, Vietnam, Ägypten, VR China, Thailand sowie die Türkei

Kann man sich gegen die Vogelgrippe impfen lassen?
Nein! Gegen die Vogelgrippe kann man sich derzeit noch nicht impfen lassen! An der Herstellung eines Impfstoffes wird jedoch fieberhaft gearbeitet.
Hinweis: Die derzeit verfügbare Grippeschutzimpfung ist keine Vogelgrippeschutzimpfung, aber trotzdem sinnvoll, da sie die Symptome lindern kann. Außerdem mindert sie die Gefahr, dass Menschen gleichzeitig mit humanen und aviären Influenzaviren infiziert werden. Eine solche Koinfektion kann die Entstehung einer von Mensch zu Mensch übertragbaren Virusvariante begünstigen. Der Impfschutz beginnt frühestens nach einer Woche und ist nach etwa 2 Wochen vollständig wirksam. Die Grippeschutzimpfung muss alljährlich wiederholt werden, da sich der Virusstamm immer wieder verändert.

Kann man die Vogelgrippe mit Medikamenten behandeln?
Alle in Österreich registrierten Medikamente zur Behandlung von Influenza-A-Viren (= Grippeviren) lindern auch die Symptome der Vogelgrippe. Es handelt sich hierbei um sogenannte Neuramidase-Hemmer. Dieser Wirkstoff kann den Ausbruch der Krankheit zwar nicht verhindern, jedoch bei rechtzeitiger Einnahme (bis 48 Stunden ab Eintreten erster Erkrankungs-Symptome) die Krankheitsintensität und -dauer vermindern.
Das Medikament soll nur nach ärztlicher Verschreibung eingenommen werden! Wichtig ist es, die vom Arzt verordnete Menge des Medikaments zur Gänze einzunehmen (z. B. 1 oder 2 Packungen bzw. 7 - 10 Tage), auch dann, wenn es Ihnen schon wieder besser geht. Neuramidase-Hemmer vorbeugend einzunehmen ist nicht empfehlenswert, da es zu Resistenzen kommen kann und das Medikament im Erkrankungsfall nicht oder nicht ausreichend wirkt.
Im Pandemiefall bieten Atemschutzmasken mit Virenfilter aus der Apotheke zusätzlich Schutz.

Wie kann man sich zusätzlich gegen das Virus wappnen?
Ein gut funktionierendes Immunsystem trägt dazu bei, das Krankheitsrisiko zu vermindern bzw. eine bestehende Erkrankung schneller und besser zu überwinden. Eine Immunstärkung können Sie beispielsweise erreichen durch: gesunde und vitaminreiche Kost, regelmäßige Bewegung, Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln aus der Apotheke und Zufuhr von zumindest 2-2,5 Liter zuckerfreier Flüssigkeit/Tag, da gut durchfeuchtete Schleimhäute die Gefahr einer Virusinfektion deutlich verringern. Der Alkohol- & Nikotinkonsum sollte einschränkt werden.

Allgemeine Verhaltensregeln bei Auftreten der Vogelgrippe

Direkter Kontakt mit Wildgeflügel ist zu vermeiden. Keinen Vogelkot angreifen!
(Im Falle eines Kontaktes mit Wildvögeln oder Vogelkot die Hände intensiv mit Seife waschen, Schuhe reinigen und verschmutzte Kleidung in der Waschmaschine waschen.).
Schwäne, Enten und andere Wildvögel nicht füttern!
Keine toten Tiere angreifen. Entdeckte tote Wildvögel (Ente, Gänse, Reiher, Schwäne oder Kormorane) unverzüglich bei der zuständigen Behörde oder dem Amtstierarzt melden.
Kinder nicht am Uferrand spielen lassen.
Vogelkot auf dem Balkon mit Gummihandschuhen feucht wegputzen oder wegwaschen – danach die Hände im Bedarfsfall nochmals mit Seife waschen. Die Bildung von massivem Staub oder Aerosolen sollte vermieden werden – also keinen Hochdruckreiniger verwenden.
Bringt der Hund oder die Katze einen toten Vogel mit nach Hause oder frisst diesen besteht kein Grund zur Besorgnis. Nach derzeitigem Stand der Wissenschaft sind Singvögel und Tauben keine Überträger des Vogelgrippe-Virus.
In Schutz- und Überwachungszonen müssen Hunde an die Leine genommen werden (ev. nach dem Spaziergang die Pfoten gründlich mit Wasser abwaschen). Katzen sollten nach Möglichkeit im Haus bleiben (Hinweis: Ein Glöckchen auf dem Halsband verhindert, dass Ihre Katze Vögeln zu nahe kommt).

Wie können Sie sich auf Reisen in betroffene Gebiete schützen?

Influenza-Grippeschutzimpfung idealerweise 2 Wochen vor Reiseantritt.
Kein Verzehr von Vogelfleisch und Eiern vor Ort.
Kein Kontakt mit Hühnern (z. B. Geflügelmärkte oder –farmen) und Wasservögeln.
Hygienische Maßnahmen (Händewaschen, gründliche Reinigung von Straßenschuhen etc.).
Reisende sollten sofort einen Arzt aufsuchen, wenn sie innerhalb von 10 Tagen nach der Rückkehr krank werden und Fieber sowie Atemwegssymptome entwickeln.

Was wird in Österreich gegen die Vogelgrippe getan?
Primär wird versucht die Vogelgrippe aus den heimischen Tierbeständen fernzuhalten, z. B. durch die Stallpflicht. Zudem werden diverse Puten-, Legehennen- sowie Gänsebetriebe überwacht. Auch gibt es ein verstärktes Screening für Zugvögel insbesondere an den bekannten Nistplätzen am Bodensee und Neusiedler See, auf der Baumgartner Höhe (Wien) sowie im Schlosspark Schönbrunn.
Ein Einfuhrverbot aus Ländern in denen das Vogelgrippevirus nachgewiesen wurde gilt derzeit für Ziervögel, unbehandelte Federn, lebendes Geflügel, Brut- und Konsumeier, frisches Geflügelfleisch, Produkte mit Geflügelfleisch, rohes Heimtierfutter sowie Jagdtrophäen.
Wie von der WHO empfohlen, hat auch die Österreichische Regierung einen Pandemieplan entwickelt, der im Ernstfall in Kraft treten wird.

Weitere Informationen erhalten Sie

im Internet unter: www.ages.at oder www.bmgf.gv.at - Suchbegriff "Vogelgrippe"
Hinweis: Die Inhalte dieser Gesundheitsinformation entsprechen dem Stand der Wissenschaft zum Zeitpunkt der Erstellung!